Ein Ende mit Netten
Klein Mittel Groß

Wise Guys im Capitol Ein Ende mit Netten

Seit 25 Jahren singen die Wise Guys ihre A-cappella-Songs auf großen und kleinen Bühnen. Die aktuelle Tournee ist die Jubiläumstournee - aber auch gleichzeitig die Abschiedstournee. Dabei schauten sie auch in Hannover vorbei.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Alles an den Wise Guys ist nett. Wie sie das Konzert verspätet starten, weil die Fans immer noch auf der Ihmebrücke vor dem Capitol anstehen. Wie im Capitol selbst ein kleiner Bereich extra für Kinder abgesperrt ist. Wie die Sänger dann - 30 Minuten nach offiziellem Konzertbeginn - auf die Bühne treten, Schwiegermütterträume in bunten Anzügen, und später am Abend dafür werben, dass man sich doch für Straßenkinder in Indien engagieren solle.

Seit 25 Jahren singen die Wise Guys ihre A-cappella-Songs auf großen und kleinen Bühnen. Die aktuelle Tournee ist die Jubiläumstournee - aber auch gleichzeitig die Abschiedstournee, „Wir machen Schluss mit lustig“, formuliert das Daniel Dickkopf, eine der Hauptstimmen der Band. Eine Nachfolgeband namens Alte Bekannte - in ähnlicher Besetzung - steht aber bereits in den Startlöchern.

Die Show der Wise Guys im Capitol ist folgerichtig als eine Art Zeitreise durch die Bandgeschichte konzipiert. Jeder Song wird von einer Ansage begleitet, in der auf das Entstehungsjahr des Songs eingegangen wird, oft flankiert von einer kleinen Anekdote. Es gibt, selbstverständlich, Hits wie „Jetzt ist Sommer“ und „Deutsche Bahn“, aber auch eher eigenartiges Material wie „Die Philosoffen“. Oder Songs des aus der Band hervorgegangen Hip-Hop-Projektes Aggro Hürth, das sich nach einer Auseinandersetzung mit dem Label Aggro Berlin nur noch A. Hürth nennen durfte.

Dabei sind die Songs der Wise Guys teilweise kleine Meisterwerke, in denen die sechs Stimmen faszinierend zueinander finden - die Band zeigt eine große Bandbreite, die auch live gegenüber Studioaufnahmen nichts einbüßt. Trotzdem bleiben die Wise Guys, vor allem textlich, vor allem eines: nett. Die Texte schaffen es selten aus der Konsens-Ironie der schnellen Witze heraus, in der Songs beheimatet sind, in denen es um Verspätungen der Bahn geht oder um Männer, die Romantik kaputt erklären.

Man kann nur sagen: Nette Jungs singen nette Lieder.

Von Jan Fischer

Voriger Artikel Nächster Artikel
Meistgelesen in Kultur
Veranstaltungen