Tod, Liebe, Leben auf der Bühne im Ballhof
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Schauspiel Tod, Liebe, Leben auf der Bühne im Ballhof

Zwischen Musterung und Mixtape: Das Junge Schauspiel bringt Bov Bjergs Beststeller "Auerhaus" auf die Bühne. Gezeigt wird das Stück noch zwei Mal im März und einmal im April im Ballhof2 in Hannover.

Lässt es auch gern mal richtig krachen: Frieder (Maximilian Grünewald) mit Harry (Julian Mandernach).

Quelle: Isabel Machado Rios

Hannover. Umbringen wollte Frieder sich eigentlich nicht. Er wollte nur nicht mehr leben. Vielleicht hat es deshalb nicht ganz funktioniert - man hat ihn jedenfalls gefunden, bevor zwei Liter Wein und Schlaftabletten ihre Wirkung in seinem Körper entfalten konnten. Jetzt ist Frieder in der Psychiatrie. Bleiben kann er da aber nicht. Und weil er weder zu seinen Eltern zurück noch alleine wohnen soll, zieht er mit seinem Freund Höppner zusammen. Vera, Pauline, Cäcilia und Harry kommen irgendwie auch noch dazu. So leben sie zu sechst kurz vor dem Abitur ein plötzlich aufregend freies Schülerleben mit Ladendiebstahl und Liebeskummer, mit griechischem Wein und sogar etwas Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll.

Die Welt zum Ausklappen

Das passiert in Bov Bjergs vor zwei Jahren veröffentlichten Roman „Auerhaus“, den das Junge Schauspiel nun auf die Bühne im Ballhof 2 gebracht hat. Buch und Bühnenfassung erzählen dabei von der Zauberwelt der 17-Jährigen, in der die Zukunft mal verlockend, mal bedrohlich und immer voller Geheimnisse ist. Gedacht ist das für Jugendliche ab 14 Jahren, aber Spaß haben sicher auch Erwachsene, die sich in dem Achtzigerjahre-Umfeld zwischen Musterung und Mixtape (auf dem sich der namensgebende Hit „Our House“ von Madness befindet) vermutlich ohnehin besser zurechtfinden als ihre Kinder.

Unübersichtlich ist die Szenerie aber keineswegs. Mona Lühring hat praktische Bühnenaufbauten entworfen, mit denen man den kargen Klassenraum und die versiffte WG-Küche nach Bedarf aus- und einklappen kann. Nur nach hinten verengen sich die Kulissen, bis nur noch ein schmales Tuch mit aufgedruckten Wolken zwischen den Holzgestellen Platz findet. Man sieht sofort, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

Auf dem Weg zum nachgetragenen Finale nimmt der Abend aber erheblich Fahrt auf. Regisseurin Anna Vera Kelle hat viel Tempo in die eher lakonische Vorlage gebracht. Manchmal überschlagen sich die Szenen geradezu, sodass es wirkt, als wüssten die Darsteller selbst nicht, was als Nächstes kommt. Es gibt schließlich Liebe und Tod, Rotwein und Fischstäbchen, einen umgehauenen Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz und eine Verfolgungsjagd mit Colt und Cadillac. Also alles und nichts. Es lebt sich so hin.

Flüchtiger Aufenthalt

Maximilian Grünewald ist dabei ein klarer Frieder, Sebastian Weiss ein kumpelhafter Höppner, Anne Rohde eine blind verliebt machende Anne und Julian Mandernach ein rätselhafter Harry: Dem jungen Ensemble gelingt es gut, ihre Figuren durch die Ereignisse treiben zu lassen wie eine Luftmatratze auf dem Baggersee. So gut zumindest, wie sich das Sommerferiengefühl überhaupt ins Schauspiel übertragen lässt: Ein bisschen berufsjugendlich wirkt es ja immer.

Nach nur gut 70 Minuten ist der Aufenthalt im Auerhaus schon wieder vorbei. Die Jugend vergeht eben schneller, als man denkt.

„Auerhaus“: Wieder heute um 19.30 Uhr im Ballhof 2 sowie am 24. März und 20. April.

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